Wenn Fürsorge an die eigenen Grenzen geht

Einen geliebten Menschen zu pflegen, ist für viele Angehörige eine Selbstverständlichkeit. Man möchte da sein, helfen, unterstützen und etwas von der Liebe zurückgeben, die man selbst erfahren hat.

Doch Pflege bedeutet oft weit mehr, als Medikamente zu richten, Arzttermine zu organisieren oder im Haushalt zu helfen.

Sie bedeutet auch, ständig mitzudenken. Verantwortung zu tragen. Nachts mit einem Ohr wach zu bleiben. Die eigenen Pläne immer wieder zurückzustellen. Und manchmal das Gefühl zu haben, niemals wirklich Feierabend zu haben.

Vielleicht kennen Sie diese Gedanken:

Ich kann doch meine Mutter jetzt nicht alleinlassen.

Eigentlich müsste ich geduldiger sein.

Andere schaffen das doch auch.

Und vielleicht gibt es Tage, an denen Sie einfach nur Ihre Ruhe haben möchten. An denen Sie ungeduldig werden, sich ärgern oder sich Ihr früheres Leben zurückwünschen.

Solche Gefühle können Schuldgefühle auslösen. Schließlich liebt man den Menschen, um den man sich kümmert.

Aber Liebe und Erschöpfung schließen sich nicht aus.

Auch Wut, Traurigkeit und Überforderung dürfen ihren Platz haben.

Wer sich über längere Zeit um einen anderen Menschen kümmert, verliert manchmal die eigenen Bedürfnisse aus dem Blick.

Dabei brauchen auch pflegende Angehörige Zuwendung, Verständnis und jemanden, der ihnen zuhört.

Jemanden, bei dem sie nicht stark sein müssen. Bei dem sie auch einmal sagen dürfen: Ich kann gerade nicht mehr.

Sich Unterstützung zu wünschen, bedeutet nicht, einen geliebten Menschen im Stich zu lassen. Und eine Pause zu brauchen, ist kein Zeichen mangelnder Liebe.

Vielleicht beginnt Selbstfürsorge manchmal schon mit einer einfachen Frage:

Was brauche eigentlich ich gerade?

Denn auch wer für andere sorgt, darf selbst umsorgt werden.

Published On: 13. Oktober 2026By